Kirchberger Natur- und Heimatfreunde
 des NABU Deutschlands Ortsgruppe Kirchberg e.V.    

Naturschutzstation

Natur- und Bergbaulehrpfad "Zum Hoher Forst" - Entdeckertour 

Die Wanderung auf dem Natur- und Bergbaulehrpfad - Bodendenkmal seit 1939 - Flur Langenweißbach, Hartmannsdorf und Kirchberg im südlichen Landkreis Zwickau führt Sie in eine mittelalterliche Bergbaulandschaft mit Vereinsbergwerk „Engländerstolln“ und „Martin-Römer-Stolln“, Turmhügelburg, Bergbauareal und wüster Bergstadt Vurstenberg. 

 

 

Orientierungskarte


 

             

Die Wanderung können Sie als Einzelperson oder in Familie selbstständig unternehmen, denn Ihnen helfen Wegweiser, Schautafeln und Sitzgruppen auf dem 3 bzw. 6,2 km langen Rundwanderweg. Sie haben aber auch die Möglichkeit, wenn Sie sich bei uns anmelden (Gruppen ab 15 Personen müssen generell bei uns bzw. beim Staatsforst angemeldet werden), sich von uns führen zu lassen, dabei würden Sie weitere interessante Informationen über unsere Region in Sachen mittelalterlicher Bergbau, Flora und Fauna sowie Regionalgeschichte erfahren.


Station 1:  Alte Wiesenburger Landstraße

Ausgangspunkt des 6,2 km langen Wanderweges, angelegt in den Jahren 2001/2002, ist der Weg zwischen dem Kreiskrankenhaus Kirchberg und dem Wasserwerk Burkersdorf, einem Ortsteil der Stadt Kirchberg im südlichen Teil des Zwickauer Landes. Der Lehrpfad beginnt an der Alten Wiesenburger Landstraße.

Starten Sie am Bahnhaltepunkt Wiesenburg – Bahnstrecke Zwickau – Johanngeorgenstadt -, an der Mulde gelegen, führt unser Themenweg „über Herrschaftsgrenzen hinweg“ zum „Hohen Forst“. Ein Teil dieser Strecke ist der uralte Steig nach Frühbuss bzw. Fron- oder Gerichtsweg von der Wiesenburg aus, die hoch über dieser Muldenfurt liegt, bis nach Hartmannsdorf. Sie lernen hier ein wunderschöne Landschaft kennen. Drei Schautafeln informieren Sie über die einstige (Bergbau)Herrschaft Wiesenburg. Folgen Sie ganz einfach unserem Logo.  


An der Station 1 angekommen, führt sie der Weg zum ersten Schautafelträger mit der Wegebeschreibung für den Natur-und Bergbaulehrpfad. In diesem Bereich hat man einen reizvollen Ausblick über das Erzgebirgsvorland mit der Stadt Zwickau, seiner Marienkirche, den Stadtteilen Marienthal und Eckersbach sowie dem Volkswagenwerk Mosel. Bei guter Fernsicht schaut man nach Thüringen und Leipzig. Der Kuhberg bei Stützengrün und die benachbarten Berge des Vogtlandes runden das Panorama ab.


Kommen Sie mit der Bahn, dann steigen Sie am Haltepunkt Wiesenburg aus und folgen dem nebenstehenden Wanderzeichen, so gelangen Sie ebenfalls zu unserer Station 1 des Lehrpfades.




Station 2: Schöne Aussicht mit Blick zur Silberstraße und nach Weißbach

Nach ca. 1 km lädt eine Sitzgruppe am Waldrand zum Verweilen ein. Man blickt auf die unterhalb liegende Silberstraße und auf den im Tal gelegenen Ort Weißbach mit seinen schönen Fachwerkhäusern und der 1693 Barock umgebauten Salvatorkirche aus dem Jahre 1515. Bis zum Horizont erstrecken sich die bewaldeten Berge des Erzgebirges. Eine Schautafel informiert Sie über die Silberstraße zwischen Schneeberg und Zwickau. In unmittelbarer Nähe zur Sitzgruppe befindet sich, oberhalb im Forst eine ehemalige Bergwerksanlage, vom 13.-20 Jahundert.

  

Station 3 Zechenplatz mit Wanderrastplatz, Naturschutzstation und „Engländerstolln“

Hier wurde in den Jahren 1943 bis 1945 ein Suchstolln zur Förderung von wolframithaltigem Erz aufgefahren, und zwar von 20 englischen bzw. später südafrikanischen Kriegsgefangen unter Anleitung deutscher Bergleute. 1991 wurde das Mundloch durch das Oberbergamt Freiberg mit einer 6 m dicken Betonplombe verwahrt. Im Jahre 2001 kauften die Kirchberger Natur- und Heimatfreunde von der Treuhand das verwilderte Haldengelände und begannen dieses nach Überlieferungen zum Zechenplatz umzugestalten. Im Jahre 2002 wurde der Lehrpfad öffentlich eingeweiht und mit Fahnenweihe die Kirchberger Bergbrüderschaft gegründet, die am 01.01. 2003 dem Sächsischen Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine e.V. beitrat und seit dem an den Bergparaden teilnimmt. 

Naturschutzstation, Wanderrastplatz, Bildungs- und Kommunikationszentrum


Die Öffnung und Aufwältigung des „Engländerstollns“  2003 war die Voraussetzung dafür, Zugang zum alten „Martin-Römer-Stolln“ aus dem 13./14. Jahrhundert zu finden. Seit dem versuchen unsere Bergbrüder diesen Schritt für Schritt wieder aufzugewältigen. 

Das sich auf dem Natur- und Bergbaulehrpfad  befindliche Grundstück "Zechenplatz" des Vereins hat eine Fläche von 6.490 m². Hier existieren verschiedene Biotope: 

  • der "Engländerstolln" als typisches Winterquartier für Fledermäuse (Großes  Mausohr und Braunes Langohr, Mopsfledermaus, Wasserfledermaus), Lurche, Insekten und Kriechtiere 
  • der Waldteil mit Mischwaldcharakter 
  • die alte Bergbauhalde
  • Wohnraum für viele Vogelarten (Zaunkönig, Meisenarten, Spechte, Grasmücke, u.v.a.m.), Insekten, Kleinsäuger sowie seltene Pflanzenarten.

Des weiteren wurden verschiedene Modelle für Nistkästen, Insektenhotels, Schautafeln als Anschauungsmaterial für Schüler und Besucher aufgestellt .

Das gesamte Kernzentrum im Bereich des "Hohen Forstes" ist bei Führungen als Verkettung von Naturkreisläufen, Waldwirtschaft, Naturschutz, in seiner biologischen Vielfalt in unserer Arbeit integriert.  


Mundloch Vereinsbergwerk "Engländerstolln"

  

Station 4: Pingenfeld des "Martin-Römer-Stollns"

Nach einer Besichtigung des Stollns, geht man zurück vorbei an der Station 2 und nimmt den halblinken Weg vorbei am „Wolfsschacht“, an unserer 2016 neu gebauten Kaue des Wetterschachtes. Hier beginnt der Pingenzug des alten „Martin-Römer-Stollns“. Bevor wir uns in das umwallte Bergbauareal begeben -  auch informiert eine Schautafel über die Geschichte - , führt (ausgezeichnet) der Weg hangaufwärts zur Nächsten Station.

Station 5: Zentrum der wüsten Bergstadt Fürstenberg

 Hier finden wir Relikten der alten mittelalterlichen Turmhügelburg, die mit Wall und Graben umgeben war und eine ca. 2.80 m tiefen Zisterne aufweist. Die Anlage ist eine der größten im Landkreis. Auf dem Wall befindet sich eine weitere Schautafel. 


Ein paar Meter weiter können wir dann das ehemalige Bergbauzentrum betreten.

Das gesamte Bergbauareal, ca. 10.000 m² umfassend, weist zahlreiche Pingen auf und man kann mit einem gut geschulten Blick auch sehen, wo sich einstmalig Grubenhäuser befanden. Die wüste Bergstadt Vurstenberg oder Fürstenberg wies natürlich einen weit größeren Radius auf. Die im Boden gefundene Keramik kann in der Zeit  der 13. bis 18. Jahrhundert zugeordnet werden.

Nachdem wir das Bergbauareal verlassen haben, kommen wir zum Reitsteig (auch mit der Auszeichnung Zum alten Salzweg), der in Richtung Salzstraße führt und letztendlich die Verbindung zwischen dem Natur- und Bergbaulehrpfad „Zum Hohen Forst“ und dem Schneeberg-Neustädtler Bergbaulehrpfad darstellt. Entlang des Reitsteiges, wo die einstigen „Industrieanlagen“ aufgrund der Schlackenfunde zu vermuten sind, führt unser Rundgang bei etwa 566 m NN rechts in Richtung „Kleiner Hirschenstein“, einem beeindruckenden Felsmassiv.


 Station 6: Am "Kleinen Hirschenstein"

 Eine alte Buche, deren mächtige Wurzeln sich am Fels festkrallen sowie die Stille, die durch das leise rauschen der Blätter unterbrochen wird, strahlen einer Hauch längst vergangener Zeiten aus. Es soll ein Heiliger Hain gewesen sein, so munkeln unsere Altvorderen. Aus geologischer Sicht befindet sich hier die Grenze des Kirchberger Granitmassivs, dargestellt auf einer Schautafel. Der uralte Baum ist vor ein paar Jahren verschwunden, ein neuer wächst empor. 

 


 

 


Die Uralte Buche am "Kleinen Hirschenstein"

 

Über eine Waldschneise gelangt der Wanderer bergabwärts auf einen Waldweg, den Kleinen Flügel. Rechts und links des Weges befinden sich wiederum Zeugen des Altbergbaus.   

  

Station 7: Die "Hechtlöcher" nebst Rösche "Martin-Römer-Stolln"

"Martin-Römer-Stolln-Rösche"

Nach Überquerung der Alten Wiesenburger Landstraße gelangt man zu zwei großen Pingen, des „Martin-Römer-Tiefen-Erb-Stollns", die im Volksmund als „Hechtlöcher“ bezeichnet werden.  

Eine Schautafel informiert über die zweite Gewältigung des Bergwerkes in den Jahren 1795 und 1820 und gedenkt Martin Römer, dem erfolgreichen Bergbauunternehmer und Amtshauptmann von Zwickau. 

Nach dem man zurück zur Alten Wiesenburger Landstraße gegangen ist, besteht die Möglichkeit zur Rückkehr zum Ausgangspunkt der Wanderung. Empfehlenswert ist aber, diese fortzusetzen.









Station 8: An der"Große Forstwiese"

 

Über einen alten Hohlweg gelangt der Besucher zur Großen Forstwiese. Der Name Große Forstwiese ist in alten Karten  und Zeitdokumenten genannt. Es handelt sich um eine naturbelassene extensiv genutzten Wiese mit einer artenreichen Flora und Fauna. Eine Schautafel informiert über Bergbau und Erzverarbeitung im oberen Rödelbachtal und macht den Wanderer mit alten Bergbaustolln im Ort Hartmannsdorf bekannt. Die letzte Station befindet sich auf dem Gerichtsweg an der Gerichtseiche.


Station 9: "Gerichtseiche"

Die meisten Orte des Rödelbaches gehörten über Jahrhunderte zur Herrschaft Wiesenburg, deren Herrschafts- bzw. Verwaltungssitz das Schloss Wiesenburg war. Durch die Besitzer der Herrschaft wurde die Gerichtsbarkeit ausgeübt. Wer von Hartmannsdorf zu Gericht nach Wiesenburg  gerufen wurde, nutzte die kürzeste Verbindung zwischen zwischen diesen beiden Orten, den Gerichtsweg. Eine Schautafel beschreibt den innerstädtischen Bergbau und die Hammerwerke im alten Kirchberg. Mit der Darstellung des Bergbaustollns „Am Graben“, der im Jahr 2001 durch die Kirchberger Natur- und Heimatfreunde als Besucherbergwerk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, ist eine weitere Möglichkeit geschaffen worden, sich mit dem Bergbau der Region und seiner Geschichte vertraut zu machen. 2012 konnte das Museum „Alt-Kirchberg“, direkt am Altmarkt der Stadt, eröffnet werden. Das denkmalgeschützte Gebäude birgt Ausstellungräume zur Geschichte der Stadt Kirchberg und informiert über unsere Naturschutzarbeit.

Von der Gerichtseiche aus führt zum Schluss unser Lehrpfad zum Ausgangspunkt der Wanderung, zum Parkplatz Station 1, zurück.