

Auf Beschluss Kaiser Barbarossas auf einem Reichstag in Köln im Jahre 1157 wurde im Rahmen der Landesneuordnung u.a. die Herrschaft Wiesenburg in einem Teil des ehemaligen Gaues Zwiccowe mit seinem kirchlichen und kulturellen Zentrum Kirchberg gegründet. D.h., dass sowohl die Wiesenburg als auch eine Ansiedlung an der Kirche vorhanden waren.
Als Lehnsherren setzte der Kaiser die Verantwortlichen für das Reichsmontanwesen, die Vögte von Weida, ein.
Die Vorfahren der Vögte kommen aus der Gegend von Köln. Kaiser Heinrich III. holte sie um 1080 ins Harzgebiet, wo sie sich in Osterode niederließen und die Vogtei von den Reichsklöstern Gandersheim und Nordhausen erhielten. Erkenbert I. (von Osterode) und v.a. Heinrich I. und II. (von Weida) sowie ihre Erben waren für die Reichserzgewinnung und Reichsmünzen bis zum Jahre 1348 verantwortlich. In diesem Jahr hob Kaiser Karl IV. die Vogtei auf und der Abstieg der Vögte auf jedem Gebiet begann. Erben waren dabei die Markgrafen von Meißen (Wettiner). Der Bergbau kam allerdings bis 1945 nicht völlig zum Erliegen.
Die Herrschaft Wiesenburg war, wenn wir es heute betrachten, eine Bergbauherrschaft an einem westlichen Punkt des Erzgebirges, denn von der Wiesenburg aus, hoch über der Zwickauer Mulde, geht es immer bergauf. Zur Herrschaft gehörte der Wiesenburger Wald in seinen Grenzen Hundshübel, Zschorlau, Lichtenau im Süden; Bärenwalde, Hartmannsdorf, Saupersdorf im Westen; Burkersdorf im Norden und Weißbach, Griesbach, Lindenau, ein Teil von Schneeberg (Luftlinie Keilberg - Gleesberg) sowie Neustädtel/Scheibe. Höhen ü- NN: 410 bis 612 m.
Geteilt war der Wiesenburger Wald in den Unterforst und in den Oberforst. Zentrum des Unteren Wiesenburger Waldes wurde das Städtchen Kirchberg - kirchlich und kulturell.
Wiederum geteilt war der Untere Wiesenburger Wald in den niederen Forst und in den Hohen Forst, dem Erzabbaugebiet. Das Städtchen Kirchberg wurde ab/um 1172 an der Kirche am Abhang des Geiersberges von den Vögten von Weida planmäßig angelegt.
Im Bereich des unteren Wiesenburger Waldes, der wiederum geteilt war in den Hohen Forst und den Niederen Forst, liegt der Natur- und Bergbaulehrpfad "Zum Hohen Forst". Das Gebiet ist Flächenbodendenkmal seit 1939 und umfasst ein großes Waldgebiet mit seinem Kerngebiet, dem alten umwallten Bergbauareal und die wüste Bergstadt Fürstenberg, deren Ausmaße wir nicht kennen. Bergbauareal und Stadt wurden durch eine Turmhügelburg geschützt.
Durch dieses Gebiet verlief sowohl eine uralte Salzstraße als auch der Rittersgrüner Pass. Unweit davon führt der Frühbusser Steig ebenfalls in Richtung Böhmen.
Sowohl der Natur- und Bergbaulehrpfad "Zum Hohen Forst" als auch der Schneeberg/Neustädtler Bergbaulehrpfad mit seinen zahlreichen Gruben liegen im Bereich des Hohen Forstes im Niederen Wiesenburger Wald, der so manche kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Vögten und den Markgrafen sah und der im 12. Jahrhundert bis zum Aufkommen der Bergstadt Schneeberg im Jahre 1481 mindestens die gleiche Bedeutung hatte wie die Gegend um Freiberg.
Der "Hohe Forst" ist also ein einmaliges Landschaftsgebiet im Landkreis Zwickau. Er ist ein Verbindungsglied vom Vorerzgebirge ins Erzgebirge mit mittelalterlichem Bergbau und einer Vielfalt von Flora und Fauna im Waldgebiet.

Auf unseren vielen Wanderungen zog es uns immer und immer wieder in den sogenannten "Hohen Forst", sagenumwoben, keiner wußte etwas genaues: hier sollten unsere Altvorderen nach Eisen, Blei, Kupfer und Silber geschürft haben, hier hat sowohl eine Burganlage gestanden und das umwallte Bergbaugebiet ist noch zu sehen. Von einer großen, reichen, wüsten Bergstadt Fürstenberg wurde gemunkelt, so gar davon, dass hier möglicherweise bereits vor Christi Bergbau betrieben wurde.
Die Spaziergänge wurden immer häufiger in diesem Gebiet und unsere Neugier immer größer, denn Hobbyarchäologen hatten bis 1990 gegraben und unser nun langsam geschultes Auge auf bestimmte Dinge war der Meinung, dass hier doch Licht in das Dunkel gebracht werden könnte, wenn alle drei Fachbereiche an einem Strang ziehen. Wir wussten aber auch, dass dieses Projekt für unsere Gruppe doch eine Nummer zu groß ist. Zahlreiche Recherchen wurden vorgenommen.
Wir erarbeiteten im Jahre 2000 eine Konzeption "Natur- und Bergbaulehrpfad Zum Hohen Forst" und holten sowohl die Bürgermeister der drei Gemeinden, auf denen das Gebiet lag, den Landrat und die Landtagsabgeordnete mit ins Boot.
Da das Gebiet Bodendenkmal ist, fuhren wir einige Male nach Dresden ins Landesamt für Archäologie, denn wir wollten etwas zur Geschichtsaufarbeitung beitragen und nichts zerstören. Wir erhielten einerseits grünes Licht für unser Vorhaben, andererseits das Verbot für Grabungen. Weitere Gespräche wurden geführt, wie zum Beispiel mit dem Staatsforst und dem Bergamt.
Im Jahre 2001 kauften wir ein Stück verwildertes Land, 6.490 m2, eine ehemalige Halde außerhalb des Bodendenkmals von der Flur der Gemeinde Langenweißbach mit Hilfe des Bürgermeisters und des Landesverbandes des NABU, denn wir hatten herausgefunden, dass ein Stolln auf diesem Gelände mit dem von der Bergsicherung Schneeberg 1991 verwahrten Mundloch irgendwie Richtung alter Silbererzabbau führt.
Im Jahre 2001 nahm eine 6-köpfige ABM-Gruppe unter unserer Regie (Projektträger) ihre Tätigkeit auf. Drei von ihnen legten die Trasse des Natur- und Bergbaulehrpfades an, drei weitere suchten im Bergarchiv Freiberg und im Staatsarchiv Dresden nach Unterlagen.
Unser Traum wurde erfüllt und ein Zechenplatz auf dem gekauften Grundstück angelegt, die Station 3 des Natur- und Bergbaulehrpfades, der Ausgangs bzw. Endpunkt vieler Wanderfreunde ist.
Gemeinsam, ABM-Kräfte und Mitglieder unserer Ortsgruppe, errichteten den Natur- und Bergbaulehrpfad "Zum Hohen Forst" mit 11 Schautafeln, die von der 800-jährigen Bergbaugeschichte in unserer Region zeugen. Außerdem wurde eine 250-seitige Dokumentation mit den Ergebnissen aus beiden Archiven angefertigt und es entstand eine kleine Broschüre zur Information für unsere Besucher sowie Faltblätter.
Am 9. September 2002 konnten wir feierlich den ersten Abschnitt unseres Natur- und Bergbaulehrpfades "Zum Hohen Forst" einweihen. Gleichzeitig erfolgte die Gründung der "Kirchberger Bergbrüder" in der Tracht unserer Altvorderen und die Fahnenweihe.
Die "Kirchberger Bergbrüder" wurden Mitglied im Sächsischen Bergmanns-, Hütten- und Knappenverein e.V. und treten überregional bei Heimatfesten und zu Bergparaden auf.
Leider hat der Verband so einige Probleme mit der Zugehörigkeit unserer Ortsgruppe zum Naturschutzbund Deutschlands, Landesverband Sachsen e.V., da unsere Profilierung ein Novum ist. Mittlerweile haben sich die Bergleute allerdings daran gewöhnt. Akzeptiert wurde vom Verband auch unser Tracht, die Arbeitskleidung unserer Altvorderen im Mittelalter.

Im Jahre 2003 erhielten wir dank unseres Nabu Landesverbandes, der ja unser Erbe übernehmen wird, die Genehmigung vom Oberbergamt, das Stollnmundloch "Engländerstolln" zu öffnen. Es war mit einer 8 m dicken Betonplombe versehen und viele, auch Nichtmitglieder unserer Gruppe halfen: ehemalige Kumpel, Gewerbetreibende, die uns die Technik zur Verfügung stellte und Bürger aus Weißbach kamen und gaben uns den einen oder anderen Hinweis. Wir erhielten viel Unterstützung, denn mit unseren geringen Finanzen hätten wir diese Maßnahme nicht realisieren können, aber unsere Mitstreiter merkten, dass hier etwas zum Nutzen der Region geschah.
Zwischenzeitlich ist der "Engländerstolln" - von uns so genannt, weil dieser Stolln 1943 - 1945 von englischen, dann afrikanischen Kriegsgefangenen als Versuchsauffahrung (Suche nach Wolframiterz) angelegt wurde - vollständig befahrbar, mit Gleisen, wie damals ausgestattet und gibt den Blick auf den alten Bergbau aus dem 12./13. Jahrhundert frei.
Wir erhielten vom Oberbergamt auch wieder in diesem Jahr die Genehmigung, das Vereinsbergwerk zum "Tag des offenen Denkmals" für die Allgemeinheit zu öffnen und der Ansturm von Neugierigen war bisher immer groß.
Seit 2006 wird mittels Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Natur- und Bergbaulehrpfad in Ordnung gehalten.
Dank gilt dabei der Wirtschafts-Service-Erzgebirge GmbH Aue und dem Staatsforst für ihre Unterstützung.

Der Natur- und Bergbaulehrpfad wurde von den Kirchberger Natur- und Heimatfreunden unter Mithilfe von ABM-Kräften zwischen 2001 und 2002 angelegt und führt mittels einem 3 bzw. 5 km langen Rundwanderweg durch das Bergbaugebiet sowie angrenzende Wälder und Fluren.
11 Schautafeln vermitteln dem Besucher Bergbau- und Heimatgeschichte und zwei Sitzgruppen laden zum Verweilen ein.
Dieser Lehrpfad wird seitdem von vielen Wanderern selbständig genutzt. Außerdem werden von den Mitgliedern der Ortsgruppe Gruppenführungen angeboten und dabei weiteres Wissenswertes über Bergbau, Natur und Heimatgeschichte unserer Region vermittelt.
Die Station 3 des Lehrpfades befindet sich auf dem Zechenplatz der Kirchberger Bergbrüder. Dieses Terrain wurde von der Ortsgruppe von der Treuhand gekauft. Hier befindet sich das Mundloch des sogenannten "Engländerstollns". Dieser Stolln war eine Auffahrung in den Jahren 1943 - 1945 auf der Suche nach Wolframiterz. Abgebaut wurde aufgrund des Kriegsendes nicht.
Mittels Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wird der Natur- und Bergbaulehrpfad "Zum Hohen Forst" obertägig in Ordnung gehalten.
Der Stolln wurde von den Kirchberger Natur- und Heimatfreunden 2003 wieder aufgewältigt und ein Zugang zum alten "Martin - Römer - Stolln" aus dem 13. Jahrhundert geschaffen.
Dieses Vereinsbergwerk ist der Öffentlichkeit seit dem Jahre 2004 jährlich einmal zugänglich, und zwar zum "Tag des offenen Denkmals" in Sachsen im September.
In Zusammenarbeit mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen sollen verschiedene Modelle als Zeitzeugen der Arbeits- und Lebensweise unserer Altvorderen entstehen, die später als Anschauungsmaterial für Groß und Klein, v.a. für Kinder dienen und im Huthaus ausgestellt werden sollen, wie Turmhügelburg, Grunbenhaus, sächsisches Langhaus, Schmiede, Backstube, Bergbausiedlung "Fürstenberg", Modell des "Martin-Römer-Stollns".
In Form von AGH soll die Flora und Fauna im Gebiet des "Hohen Forst" erschlossen und aufgearbeitet werden. Entstehen sollen dabei kleinere Dokumentationen über den Wald, der vorhandenen Pflanzen und seiner Bewohner (Flora und Fauna).
Die 11 derzeit am Lehrpfad befindlichen Schautafeln, die auf einer Seite den Bergbau dokumentieren, sollen durch Flora und Fauna auf der anderen Seite der Tafel ergänzt werden.
In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Archäologie Sachsen sollen in naher Zukunft archäologische Untersuchungen im gesamten Areal des Bergbaureviers und an der Turmhügelburg vorgenommen werden, um weiteres Licht in das Dunkel der Geschichte zu bringen.
Geplant sind von den Kirchberger Natur- und Heimatfreunden unter Federführung der Archäologie und mittels Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen das Leben unserer Altvorderen darzustellen. So sollen in Absprache und unter Anleitung der Archäologie verschiedene Arbeits- und Wohnstätten anschaulich her- und dargestellt werden, um die Attraktivität und den Informationsgehalt auf dem Lehrpfad zu erhöhen. Dabei stehen im Mittelpunkt unseres Interesses:
Betonen möchten wir nochmals, dass alle Maßnahmen nur in Absprache mit dem Landesamt für Archäologie erfolgen, um das Bodendenkmal nicht zu zerstören. Es sollen hier auch keinerlei Feste und Feten veranstaltet werden. Die Bauten dienen der Anschaulichkeit für die Besucher im Rahmen eines sanften Tourismus.